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No more Zoom fatigue

Was hat Zoom mit SAP oder Microsoft gemeinsam?

Die offensichtliche Gemeinsamkeit ist, dass es sich um große und bekannte Software Firmen handelt. Ich möchte allerdings auf etwas ganz anderes hinaus. In diesem Blogbeitrag möchte ich eine Beobachtung zum Thema Zoom fatigue thematisieren, die mich schon länger beschäftigt.

Während meines Wirtschaftsinformatik Studium Anfang der 2000 Jahre wählte ich die Vertiefungsrichtung „Betriebliche Informationssysteme“. Dies wurde gleichgesetzt mit SAP. Es wurde kein anderes ERP System gelehrt, selbst dann nicht, als die Lehrveranstaltung für die hauseigene Programmiersprache ABAP nicht mehr angeboten wurde. Das selbe passiert mit Microsoft in der Schule. Es gibt keine Möglichkeit im schulischen Umfeld sich mit Alternativen zu MS Office zu beschäftigen. In meinem Master Studium ging es sogar soweit, dass nur MS Word für das Schreiben der Masterthesis erlaubt war. Und genau dieses Phänomen beobachte ich wieder bei Zoom. Videokonferenz wird mit Zoom gleichgesetzt und selten hinterfragt, ob es auch wirklich die beste Alternative ist. Der hohen Stellenwert von Zoom wird allein schon durch Zoom Fatigue deutlich. Zoom ist der Gewinner während der COVID-19 Pandemie.

Zoom Fatigue bezeichnet die Müdigkeit und Erschöpfung von Menschen, die durch die Teilnahme an Videokonferenzen ausgelöst wird.

Es gewinnt wieder genau das Software-Unternehmen, dass am meisten Geld investiert hat und mit am schnellsten war.

Neue und wahrscheinlich innovativere Lösungen haben gegen die großen Mächtigen selten eine Chance. Auf der einen Seite wollen wir möglichst viel Diversität, aber bei den Tools laufen wir immer nur ungefragt hinter etwas her. Da Angebot und Nachfrage von einander abhängen, haben wir als Gesellschaft Einfluss drauf dies zu ändern. Ich persönlich probiere gerne neue Dinge, auch weit weg vom Mainstream aus. Daher möchte ich die Auswirkungen des Zoom Fatique auf den Prüfstand stellen. Es gibt viele Anhaltspunkte, warum Zoom Meetings nicht das natürliche Verhalten eines Menschen unterstützt.

Zoom fatigue Grund #1: Ständiger Augenkontakt ist stressig

Zoom ist geprägt von großen Kacheln. Umso weniger Anwesende, desto größer die Kachel. Es entsteht eine unnatürliche körperliche Nähe durch die Anzahl der Personen, die jeder sieht als auch die Größe der Gesichter. Während eines Zoom Meeting schaut jeder die ganze Zeit jeden an. Ein Zuhörer wird so automatisch wie ein Redner behandelt und die Häufigkeit des Augenkontakt ist unnatürlich erhöht. Dies kann je nach Charakter zu einer stressigen Erfahrung führen. In Vergleich zu einem physischen Meeting halten wir nicht permanent Augenkontakt, sondern machen uns beispielsweise nebenbei Notizen.

Wusstest du schon?
Körperliche Nähe wird von unserem Gehirn als eine sehr intensive (Kampf-) Situation interpretiert. Aus diesem Grund vermeiden Menschen in Aufzügen den Blick des anderen.

Zoom fatigue Grund #2: Sich ständig in Echtzeit zu sehen ist ermüdend

Die Kachel ist wie ein Spiegel, in der man sich selber zusieht. Es wäre als ob man ständig im Realen ein Taschenspiegel vor sich hinhält. Das fühlt sich einfach nicht natürlich an. Dies hat auch Auswirkungen auf unsere Psyche, da wir uns im Spiegel immer selbstkritischer betrachten. Eine Möglichkeit ist es, die Selbstansicht einfach auszublenden.

Zoom fatigue Grund #3: Wusch und Weg in die Breakout Rooms

Für Gruppenarbeiten sind Breakout Rooms sehr beliebt. In gut moderieren Settings, in denen sich jeder bereits kennt sind solche Räume für Kleingruppen auch sehr gut geeignet. Jedoch zum Kennenlernen bei größeren Veranstaltungen, in der man mit zufälligen Personen in ein Raum gebeamt wird, fühlt sich dies auf der mentalen Ebene nicht gut an. Ich habe das Gefühl erstmal komplett die Kontrolle abzugeben zu müssen. In der Kaffeepause bei einer Konferenz checkt jeder automatisch unbewusst sein Umfeld auf Sympathie oder Ähnlichkeit ab und stellt sich dann erst zu Fremden an den Stehtisch. Auch wenn durch das zufällige Zusammenstellen in Zoom interessante Kontakte entstehen können, kann es je nach Charakter aber auch zu einer Überforderung aus den oben genannten Gründen kommen.


Welche Alternativen gibt es zur Vermeidung von Zoom fatigue?

Da ich persönlich erst gar nicht auf den Zoom Zug aufgesprungen bin, habe ich viele unterschiedliche Tools ausprobieren können. Um ein möglichst natürliches Verhalten auch Online zu ermöglichen, verwende ich gerne sogenannte Avatar Lösungen oder nur mit runden kleinen Bildern, in denen sich jeder frei in einem Raum bewegen kann.

Meine Lieblingstools sind hierbei Gather.town und Spatial.Chat. Gather ist ein Video-Tool, in dem mehrere Personen mit einem Avatar im Stile einer 80er-Jahre Video-Konsole parallel getrennte Gespräche führen können. Wie bei Spatial.Chat können die Avatare sich unterhalten, sobald sie nah genug beieinander stehen. So können die Teilnehmer genauso einfach in Gespräche ein- und aussteigen wie im normalen Leben auch. Alle Grundfunktionalitäten wie Bildschirm teilen und ein Chat sind in beiden Tools vorhanden. Ein weiterer bekannter Vertreter ist beispielsweise wonder.me.

Probierst du es aus?

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