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Moderne Lernkultur durch agiles Lernen

Was beinhaltet agiles Lernen?

Agiles Lernen unterscheidet sich von dem was wir aus unserer Schulzeit kennen. Der Ansatz des agilen Lernens stellt den Lernenden ins Zentrum des Lernprozesses und ist durch Selbstbestimmung geprägt. Es beruht auf den Prinzipien der Eigenverantwortung und Selbstorganisation. 

Beim selbstbestimmten Lernen (Synonyme: selbstgesteuertes oder selbstorganisiertes oder selbstregulierendes Lernen) kann der Lernende selbst bestimmen, was er wann, wo, wie und mit wem zusammen lernen will.
Die typischen Merkmale sind: Eigenständige Zielsetzung, Selbstmotivation, Auswahl geeigneter Lernstrategien, Überwindung von Problemen wie Lernhindernissen und Ablenkungen, Lernerfolgskontrolle.

Der Lernende ist frei bei der Gestaltung des Lernfortschritts, basierend auf iterativen Phasen mit Planung, Beobachtung, Evaluation und Anpassung. Kontinuierliches Feedback sorgt dafür, dass der Lernprozess dynamisch in der Zielorientierung und offen für neue Erfordernisse bleibt. Besondere Bedeutung im agilen Lernen kommt dem kollektiven Austausch sowie dem kollaborativen Erwerb von Wissen und Fähigkeiten zu.

Die Kernpunkte des agilen Lernansatzes auf einen Blick:
– Der Lernende steht im Zentrum
– Eigenverantwortung und Selbstorganisation sind die wichtigsten Prinzipien
– Lernziele, Lernmaterialien, Lernformate und Lernumsetzung werden selbstbestimmt gewählt.
– Lernen ist individualisiert, bedarfsorientiert und praxisnah
– Lernen, Übung und Praxis sind untrennbar verbunden
– Persönliche und individuelle Begleitung sind tragende Elemente
– Kollaboratives und kooperatives Lernen sind wichtige Bestandteile
– Zeitlich wird der Lernprozess in überschaubare, iterative Phasen strukturiert.
– Kontinuierliches Feedback und Evaluationen sorgen für eine schnelle Adaptivität.

Quelle: Agiles Lernen für zukunftsorientierte Unternehmen von Vera Gehlen-Baum und Manuel Illi


Der Treiber für selbstbestimmtes und agiles Lernen ist intrinsische Motivation

Beim Lernen spielt auch Selbstwirksamkeit und Motivation eine große Rolle. Die kognitive Psychologie versteht unter Selbstwirksamkeit die Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können und ist somit der Glaube an sich selbst. Dies bedeutet, dass der Lernende Situationen benötigt, in denen er diese Erfahrung machen und wachsen kann.

Hinweis: Die Intelligenz ist ein Bestandteil des Lernens. Diese wird aber an dieser Stelle aber nicht weiter betrachtet, da dies nicht beeinflussbar ist und für das agile Lernen eine untergeordnete Rolle spielt.

Motivation ist die Triebkraft, die uns dazu bringt, bei mehreren Optionen die für uns ansprechendste auszuwählen und die Aktivität weiter zu verfolgen. Dabei bewegt sich die Motivation bewegt auf einer Skala, die von extrinsisch bis zu intrinsisch reicht.

  • Von extrinsischer Motivation wird gesprochen, wenn ein Anreiz wie eine die Belohnung für eine Aufgabe von außerhalb kommt. Das „ich muss“ steht im Vordergrund.  
    Beispiel: Wenn jemand extrinsisch motiviert ist, führt derjenige die Aufgabe nicht der Aufgabe willen aus, sondern wegen der Belohnung, die er dafür bekommt.  Das einfachste Beispiel sind monetäre Anerkennung wie Lohn und Punkte. Es entspricht einer logischen und analytischen Vorgehensweise.
  • Von intrinsischer Motivation wird gesprochen, wenn die eine Aufgabe wegen eines inneren Anreizes ausgeführt wird, der in der Tätigkeit selbst steckt. Die Tätigkeit löst positive Emotionen aus. Das „ich will“ steht im Vordergrund.
    Beispiel: Wenn die Aufgabe ohne eine Bedingung ausführt wird, nur weil sie Spaß macht oder sinnvoll erscheint oder auch herausfordernd ist. Dies entspricht der kreativen und emotionalen Vorgehensweise.

Die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan und die Interpretation von Daniel Pink besagt, dass Menschen durch die nachfolgenden drei intrinsische Treiber motiviert werden:

  • Kompetenz/Wirksamkeit (Mastery): Meisterschaft einer Disziplin erreichen durch Verbesserung seiner Fähigkeiten und kontinuierlichem dazulernen. 
  • Autonomie: Das Bedürfnis selbst verantwortlich zu sein und selbst entscheiden zu können was man tut.
  • Soziale Eingebundenheit: Verbindung zu anderen mit einem Zugehörigkeitsgefühl erreichen und einen Sinn darin sehen, was man tut.

Fazit: Für eine moderne Lernkultur für das selbst bestimmte Lernen ist somit ein motivierendes Umfeld notwendig mit ausreichend Raum für Selbstwirksamkeit.


Lernsettings und Lernformate im Überblick

Bei der Frage welche Lernsettings und Lernformate nun geeignet sind, um ein Kultur für das selbst bestimmtes Lernen zu fördern zeigt meine Erfahrung , dass es gerade zu Beginn einen Mix aus den vier Quadranten des Lernens als Blended Learning sinnvoll ist, da auch beide Perspektiven benötigt werden:

  • formales bzw. informelles Lernen: Fokus auf Verantwortung der Lernziele und -inhalte,
  • selbstbestimmtes bzw. geleitetes Lernen: Fokus auf Organisation des Lernens und die Lernaktivität selbst.

Blended Learning ist die Kombination von formalen und informellen Lernformaten mit selbstbestimmten bzw. geleiteten Lernen.

Zusätzlich ist es sinnvoll, sich so häufig wie möglich auf das Microlearning zu fokussieren, damit das Lernen auch im beruflichen Alltag Akzeptanz findet.

In meinem Blog Beitrag Corporate Learning: Vom Training zum Lebenslangen Lernen habe ich bereits den Prozess des Lernens mittels Shu-Ha-Ri vorgestellt.

  • Shu: Lernen, um es zu kennen: Buch lesen oder Training besuchen. Das Denken steht im Vordergrund
  • Ha: Lernen, um es zu tun: Das angeeignete Wissen anwenden. Das Tun steht im Vordergrund
  • Ha+: Lernen, diesen Prozess mit anderen zusammen zu machen: Wissensaustausch, soziale Interaktion durch Dialog und Diskussion
  • Ri: Lernen als Lebenseinstellung (lebenslanges Lernen): Entwicklung zum Wissensarbeiter

Durch diese schrittweise Umsetzung und mit Hilfe von geeigneten Lernsettings- und Lernformate kann die Kultur des selbst bestimmtes Lernen dazu dienen, dass am Ende das Lernen im Netzwerk gestaltet wird, um miteinander und voneinander zu lernen. Dies spiegelt sich beispielsweise auch in dem Motto meiner Akademie wieder: Netzwerken & Lernen.

In der nachfolgenden Abbildung sind einige Lernformate und Lernsettings in die vier Quadranten in orange eingeordnet, die ich aktiv besuche oder anwende. Welche Lernformate kennst du noch?

Im Video stelle ich meine Lieblings-Lernformate vor. Alle vorgestellten Formate fördern die agile Haltung und verfolgen unterschiedliche Ziele. Der Austausch in der Gruppe hat bei mir einen großen Stellenwert, nachdem jeder individuell seine Punkte erarbeiten konnte.

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